Da kam auch die große Anzahl der Kinder auf den Höfen zur Sprache und man klärte mich auf, dass meine Ultner-Oma, hier könnt ihr sie sehen im Kreise ihrer Familie, und zwei ihrer Schwestern, welche ebenfalls im Ultental auf zwei Höfen Bäuerinnen waren, zusammen 40 Kinder hatten. Kann sich das heute jemand vorstellen?
Gekocht wurde sparsam, bei so einer Meute. So kam es, dass meine Oma bei einer ihrer Schwestern zu Besuch war und diese eine Brennsuppe zubereitete. Eine Brennsuppe ist Mehl in Butter eingebrannt, mit Wasser aufgegossen, gesalzen, basta.
Sie rührte das Mehl zwar ein, blieb aber nicht dabei, um es ständig umzurühren, das Mehl verbrannte fast, sie goss das Wasser trotzdem auf, rührte auch diesmal nur einmal um und die Suppe wurde, wie sie wurde.
Wenn ich richtig verstanden habe, dann kam dieselbige Schwester bei meiner Oma zu Besuch und diese servierte der ganzen Familie eine sehr gute, cremige, würzige Brennsuppe.
Die Schwester fragte, ob sie sich diesen Luxus bei so einer großen Anzahl von Kindern leisten könne.
Da erklärte ihr meine Oma, sie habe fast die gleichen Zutaten genommen wie sie, nur stand sie dabei und rührte von Anfang bis zum Ende regelmäßig um, schüttete das Wasser zum richtigen Zeitpunkt ein, dann gab sie noch ein Lorbeerblatt, welches im Garten wuchs, dazu, um die Suppe angenehm zu würzen.
So sagte meine Oma zur Schwester: "Nur auf das Rühren kommt es an".
Als sie starb hatte meine Ultner-Oma 63 Enkelkinder. Soweit werde ich es nicht bringen.
Heute habe ich für euch die Deluxe-Variante der Brennsuppe, wie sie die Kinder früher nur selten zu essen bekamen. Übrigens aß man die Suppe meistens schon zum Frühstück.
Südtiroler Brennsuppe Delux
Zutaten für 4 Personen:
- 40 g Butter
- 70 g Weizenvollkornmehl (später kochte man die Suppe mit Weißmehl)
- 1,2 l Wasser
- 1 Lorbeerblatt
- 1 Ei
- 1 gekochte Kartoffel
- Salz
- Ich lasse in einem Topf die Butter aufschäumen, eher schon etwas bräunen, dann rühre ich das Mehl ein, rühre es ständig um, bis es sich ein wenig gefärbt hat.
- Ich schütte das kalte Wasser dazu, bleibe auch diesmal dabei und rühre solange um, bis die Suppe zu kochen beginnt.
- Ich lege ein Lorbeerblatt ein, würze mit Salz und lasse die Suppe ein bisschen simmern.
- Das Ei verquirle ich und lasse es portionsweise in die Suppe einlaufen, so bilden sich "Eierflocken".
- Die Kartoffel schneide ich in kleine Würfel, rühre sie unter, lasse die Suppe nochmals aufkochen und serviere sie schön heiß.


