03.04.13

Hearngreaschtl - Herrngröstl, auch für die Frau

Ostereier sind alle gefunden und bei der Suche hat es nicht einmal geregnet (oder geschneit). Irgendwas ist mit dem Osterhasen und dem Weihnachtsmann schief gelaufen. Kochen und essen müssen wir trotzdem jeden Tag und heute habe ich für euch Herrengröstl auf Hochdeutsch, Hearngreaschtl auf Südtirolerisch.
 Wieso das Gericht diesen Namen hat, weiß ich nicht genau. Zusammengereimt habe ich mir folgendes: Ein "Hear" war früher etwas "Besseres". Fleisch war Luxus. Für dieses Essen nahm man (nehme ich heute immer noch) bereits gekochtes Fleisch. Das heißt es wurde zuerst Fleischsuppe gekocht. Die war für alle da. Aber das Fleisch wurde dann nicht weg geworfen, wie vielerorts heutzutage, sondern für den "Herrn" so zubereitet, dass es eine bestimmte Aufwertung erfuhr. Als  "Herrn" würde ich auch nicht das Familienoberhaupt sehen, sondern den Gast im Allgemeinen.
Es kann so gewesen sein oder auch nicht, auf alle Fälle schmeckt das Gericht auch uns Frauen. Manchmal wenn ich wenig Fleisch habe, gebe ich auch noch etwas Speck dazu. Original gehört es so, wie ich es im Rezept beschreibe.   

Herrengröstl

Zutaten für 4 Personen:
  • 600 g Brustkern, vom fleischigen hohen Teil
  • 1 Zwiebel  
  • 1 Karotte
  • 1 Stange Sellerie
  • 1 kg speckige Kartoffeln
  • 1 Lorbeerblatt
  • getrockneter Majoran
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • Öl
  1. Ich koche mit dem Brustkern, der geschälten Karotte, dem halben Zwiebel und dem gewaschenen Sellerie eine Suppe. Wie man Fleisch mit dem Schnellkochtopf kocht, wenn man es danach noch verwenden will seht ihr hier.
  2. 200 ml der Suppe stelle ich beiseite, den Rest verwende ich anderweitig oder friere ich ein.
  3. Die Kartoffeln koche ich ebenfalls mit dem Schnellkochtopf. Bei mittleren Kartoffeln halte ich das Ventil für 6 Minuten und lasse es dann von alleine heruntergehen.
  4. Ich schäle die Kartoffeln sofort, lasse sie auskühlen und schneide sie in Scheiben.
  5. Jetzt kommt meine letzte Anschaffung ins Spiel, die Eisenpfanne. Ich erhitze Öl in dieser und brate die Kartoffeln rundum an. Mit dem Ergebnis bin ich äußerst zufrieden, auch mit der Pfanne. Sie hat einfach andere Eigenschaften wie eine beschichtete, aber auch wie eine in Stahl. Die Hitze geht schnell auf sie über und die Kartoffeln bräunen sehr schnell.
  6. Die zweite Hälfte der Zwiebel schneide ich klein auf.
  7. Das Fleisch befreie ich von Fett, eventuellem Knochen, schneide es in dünne Streifen und brate es, mit der Zwiebel, in der Stahlpfanne an.
  8. Ich lösche mit der Suppe den entstandenen Bratensatz, salze und pfeffere alles und mische das Fleisch unter die Kartoffeln.
  9. Ich gebe das zerpflückte Lorbeerblatt und den zerriebenen Majoran über das Gröstl und würze, wenn notwendig, nochmals nach.                                                                                                                  
 

Kommentare:

  1. Ich hab gedacht, Herrengröstl wär mit Kalb und Bauerngröstl mit Rind

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  2. Das "Herrengröstl" das unsere Großeltern und Eltern gekocht und gegessen haben war und ist garantiert so wie ich es beschrieben habe. Ich verwende beides, je nach Verfügbarkeit. Zum Beispiel wenn ich einen großen Kalbsbraten aus dem Gefrierschrank nehme, dann zwacke ich 2 Scheiben für das Gröstl ab. Im Kochbuch "So kocht Südtirol" werden sogar Filetspitzen vom Rind verwendet. Was nur bedeutet, dass die Köche, welche dieses Buch herausgegeben haben, keine Ahnung von Tradition haben:)
    Bauernbratl ist bei uns was ganz anderes.

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  3. Und wat mach ich jetzt mit dem Buch????

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  4. Verzweifle nicht:) Es ist auch was Brauchbares drin. Wieviele Kochbücher hat man, von denen man nichts hat?!

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  5. Ich freue mich immer über's Gröstel nach dem Fleischbrühe-Kochen :-) Den Ausdruck "Herrrengröstl" kannte ich allerdings auch nicht, hier ist das immer "Bauern-" :-)

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  6. Hallo Petra, ich muss unbedingt nächstens das Bauernbratele posten, damit ihr wißt wie das bei uns ausschaut.

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