Donnerstag, 31. Mai 2012

Nord trifft auf Süd, Versuch einer Annäherung

Hier meine erste Ernte, stolz präsentiert mit Erde an den Händen, wie es sich für eine richtige Gärtnerin gehört. Die "Ratiglen" sind sofort in den Mündern gewandert, die Kornblüten werden getrocknet und kommen in den verschiedenen Teemischungen, gemeinsam mit anderen Blüten und Blättern, die ich im Laufe des Sommers sammle.


Die Vöglein sind anscheinend auch schon geschlüpft, wie man hier sieht. Es geht immer alles so schnell. Gerade ist es erst warm geworden und man bekommt vom ganzen Treiben nicht viel mit.
Zum Glück geht es nicht bei allem so. Denn dass viel frisches Gemüse aus dem Süden wieder angeboten wird, habe ich mitbekommen:)


Zum Beispiel Rote Rohnen, ganz frische Salatgurken, immer noch Fave, sprich Saubohnen und Spitzpaprika, die krachen, wenn man sie aneinander reibt. Und was macht man damit? Einen feinen Fast-Rohkost-Teller, denn die Saubohnen mußte ich doch blanchieren, mit südtiroler Speckknödeln.
Die frischen, eher kleinen, Rote Rohnen eignen sich hervorragend zum Raspeln im rohen Zustand, mit einer Rohkostreibe.
Wie man mit den Saubohnen umgeht habe ich hier beschrieben. Die Gurke habe ich auch geschält und in eher grobe Stifte geschnitten, den Peperoni in Streifen. Ich habe noch Kapern auf den Salat gestreut und mit ganz normalem Dressing, das heißt 1 Teil Essig, 2 Teile Olivenöl und Kräutersalz, angerichtet. Für die Optik darf man den Salat nicht anrühren, wir haben es probiert: die Gurken haben eine eher phosphorisierende Farbe angenommen!
Die Speckknödel mache ich schon seit vielen Jahren so.
Beim ersten Mal Wasser lassen nicht erschrecken. Von rohen Roten Rohnen färben sich nicht nur die Hände extrem rot!

Ebenfalls ein Versuch einer Annäherung in einem anderen Sinne, ist Francesca Melandri mit ihrem ersten Roman gelungen. Und zwar an ein etwas heikles Thema: Südtirol. Der Originaltitel heißt "Eva dorme". In diesem Buch wird die bewegende Geschichte Südtirol's in die Schicksale zweier Frauen verwoben, sehr schön geschrieben und bis zum Schluss spannend, auch für jemanden der die Geschichte Südtirols schon kennt. Melandri ist nicht Südtirolerin, was in diesem Fall meiner Meinung nach ein Vorteil ist, sie ist nämlich unvoreingenommen. Trotzdem und vielleicht auch deshalb hat Melandri sehr gut recherchiert und sicher mit vielen Südtirolern und Südtirolerinnen über dieses Thema gesprochen. Man erkennt viele Details, welche einem von älteren Leuten immer wieder erzählt werden, oder sogar selbst erlebt hat. Von allen, die es gelesen haben, auch der italienischer Sprachgruppe, aus meinem Bekanntenkreis, haben das selbe empfunden.
Ich habe für dieses Wochenende noch kein Buch, da alles was ich zu Hause habe, ausgelesen ist. Welches Buch kannst du mir empfehlen?

Montag, 21. Mai 2012

Wieviele Schäler braucht der Mensch?

Ja, ihr habt richtig gelesen: Schäler. Wie komme ich auf so ein Thema? Ich verkaufe seit 25 Jahren Gemüse- und Kartoffelschäler und es ist nicht immer so einfach, wie man glauben könnte.
Eine Kundin oder ein Kunde (die Mehrzahl unserer Kunden sind immer noch Frauen) verlangt einen Kartoffelschäler. Ich greife zum Klassiker.

Den mit dem schwarzen Griff. Die Kundin: "Wissen sie, ich habe ihn samt den Schalen weggeworfen. Wie lange wird es dauern, bis der auf dem Kompost verrottet? Haha!"
Sie nimmt ihn in die Hand:" Nein der liegt mir nicht angenehm in der Hand. Gibt es auch einen mit rundem Griff?"
Ich nehme den aus Stahl: schönes Teil, guter Schäler! Dann kommt noch der mit dem rosa Griff ins Spiel und mein Argument, dass man so was nicht so leicht samt den Schalen weg wirft, "leuchtet" der Kundschaft ein. Auch, dass man diesen Schäler, obwohl der Griff aus Holz ist, in die Spülmaschine geben kann, imponiert.
Für welchen Schäler sie sich dann entscheidet, unterliegt meiner Schweigepflicht.
Eine andere Kundin möchte auch etwas mit dem sie Kartoffeln, aber auch anderes Gemüse schälen kann. Die Kundin: "Ich kann aber mit dem normalen gar nicht, ich brauch den anderen." Sie macht eine typische Handbewegung und ich weiß sofort welchen sie meint: den Sparschäler.


Ich biete ihr an was da ist und sie findet das Richtige für sich.
Da gibt es aber auch andere Sorgen. Wenn beim großen Familien-Spargelessen die Schwiegertochter auch Spargeln schälen helfen könnte und sie aber mit den vorhandenen Schälern nicht kann, weil sie gerade zufällig den anderen gewohnt ist, dann muss der passende für die Schwiegertochter her, das ist ja ganz logisch.


Dann gibt es noch den Pendel-Schäler. Mit dem kann ich's zum Beispiel gar nicht. Da würden bei mir die Kartoffeln samt der Schale im Topf landen.
Es gibt auch Kunden, die schälen immer noch mit dem normalen Messer, ob viel Abfall dabei wegfällt oder nicht ist egal. Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden, nicht? Hauptsache der Kunde geht gut bedient aus dem Geschäft.
Mit solch knalligen Griffen landen sie auch nicht auf dem Kompost.

Das ist noch lange nicht alles. Da gibt es noch eigene Schäler für bestimmte Gemüsesorten, wie den Tomatenschäler. Er wurde vor Jahren von der Zeitschrift "Feinschmecker" zur Pflaume des Monats auserkoren, als schlecht funktionierende Küchenutensilie. Die haben den Schäler selbst nie ausprobiert. Nach soviel verkauften Exemplaren und die ständigen Bestätigungen der Kunden, dass der Schäler SUPER ist, kann ich euch nur dazu raten, so ein Teil zu erstehen. Man schält damit Tomaten, aber auch Kiwi, Kohlrabi, Peperoni.....alles mit rutschiger und zäher Schale. Die leicht gezackte Schneide haut sich in jede Schale rein.
Man kann mit allen Schälern auch Spargeln schälen, aber es gibt auch dafür einen speziellen: den Spargel-Schäler.

Man hält den Kopf des Spargels zum Körper hin und klemmt den Spargel zwischen den Schäler. Dann zieht man den Schäler von einem weg. Man übt auf den Spargel keinen Druck aus, da er unten aufliegt und man hat (fast) keinen Bruch. Warum habe ich nicht schon längst diesen Schäler zum Spargel schälen genommen?? Ich habe immer gedacht, diesen Schäler brauche ich nicht!!  
Ich besitze insgesamt 4 Schäler (den Orangenschäler habe ich gar nicht mitgezählt): einen, den ich und Norbert gewohnt sind, einen für eventuelle Gehilfen, die aber komischerweise immer wichtigere Dinge zu tun haben, einen Tomatenschäler und einen Spargelschäler. Aber auch nur, weil ich noch keine Schwiegertochter habe!

Montag, 7. Mai 2012

Saumäßig gute Papardelle alle fave e ricotta


Die Saubohnen sind wieder da. In vielen Gegenden heißen sie dicke Bohnen, bei uns wird häufig der italienische Name "fave" verwendet. Momentan bietet sich die Kombination mit Spargeln an. Ich mag Spargeln in allen Variationen. Manchmal bekommt man Bruchspargeln, oder man läßt von einem Spargelbund extra ein paar übrig um dieses Gericht zu zubereiten. Fave haben einen sehr delikaten, wie der Spargel, etwas bitteren Nachgeschmack. Beides darf nicht übertönt werden und eigenständig mit seinem Geschmack durchkommen.
Im Garten habe ich sie noch nie gezogen. Wenn man so eine Bohne sieht, kann man sich vorstellen, wie groß die Staude sein muss und dafür habe ich einen zu kleinen Garten.
Wie man die Saubohne schält, blanchiert und wiederum schält, habe ich hier beschrieben. Es ist wichtig sie richtig zu verwenden, sonst wird das Ganze kein Genuss, sondern eine Verdruss.

Papardelle alle fave e ricotta, Papardelle mit Saubohnen und Ricotta

  • 400 g Papardelle/Eierteignudeln
  • 1 kg Saubohnen
  • 4 dicke Spargel
  • 200 g Ricotta
  • Zitronenabrieb
  • Olivenöl
  • 150 ml Gemüsebrühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • Parmesankäse
  1. Meine Papardelle sind selbstgemacht. Den Teig mache ich immer so wie hier. Ich habe keine Vorrichtung Papardelle zu schneiden. Deshalb streue ich die ausgerollte Teigplatte mit Hartweizenmehl ein, lege sie ein paar mal zusammen und schneide sie mit dem Messer. Ich rolle den Teig erst später aus und stelle die Papardelle erst her, wenn der Rest schon zubereitet ist, weil ich die gekochten Nudeln sofort in die Pfanne mit dem Sugo gebe und sie vermische.
  2. Ich schäle den Spargel, schneide unten großzügig den Fuß ab und schneide sie in grobe Stücke.
  3. Ich erwärme Olivenöl in einer Pfanne und brate die Spargel etwas an, gieße dann die Gemüsebrühe dazu, salze und pfeffere alles, lege den Deckel auf und lasse die Spargel weich kochen.
  4. Die Saubohnen sind schon gepult, ich blanchiere sie, schrecke sie kurz mit kaltem Wasser ab und befreie sie von der inneren Haut.
  5. Die weichgekochten Spargel schütte ich in den Mixbecher und püriere sie. Danach kommt das Gemixte wieder in die Pfanne, die Ricotta wird eingerührt, die Saubohnen untergemischt und mit Salz und Pfeffer kräftig abgeschmeckt. Falls der Sugo zu trocken erscheint, gebe ich noch eine Schöpfer Nudelwasser dazu. 
  6. Jetzt stelle ich die Papardelle her, koche sie kurz in Salzwasser, das ich mit viel Zitronenabrieb aromatisiert habe, siebe sie ab, behalte aber auch hier für jeden Fall, eine Tasse Nudelwasser zurück.
  7. Ich mische die Nudeln mit dem Sugo, schaue ob ich das Nudelwasser noch brauche, und serviere sie dann mit gehobeltem Parmesankäse.  

Robert, wenn er nicht gerade Morcheln kocht, hat auch manchmal fave auf seinem Speiseplan:)

Mittwoch, 2. Mai 2012

Zirmer-Torte


Dieses Rezept habe ich um 3 Ecken bekommen. Meine Schwester hat es meiner Mutti fein säuberlich, in ihrer schönen Schrift, abgeschrieben. Aus welchem Kochbuch weiß ich nicht. Davon habe ich dann eine Fotokopie bekommen. Ich sammle schon mein Leben lang Rezepte, probiere sie aus, wenn es schmeckt, dann kommen sie in meine Rezeptesammlung, auch handgeschrieben, sonst nicht.
Dieses hier gefällt mir schon deshalb, weil es thematisch zu meinem momentanen Kochkurs passt: Kühlschrank-Aufräum-Rezepte.
Ich habe ständig Eiweiße übrig und deshalb brauche ich auch ständig neue Rezepte um das Eiweiß zu verbrauchen. Hier gab es schon einmal einen Eiweiß-Verbraucher.
Zirm wird bei uns eine Holzart genannt, welche ich als Zirbelholz wieder gefunden habe. Ich kann mir eigentlich schwer vorstellen, dass der Name dieses Kuchens im Zusammenhang mit dem Holz entstanden ist. Bei uns gibt es aber immer wieder Gaststätten die mit diesem Namen geschmückt sind und wahrscheinlich kommt das Rezept aus irgendeiner "Zirm-Stubm".

Zirmer-Torte

Rezept für eine Springform 26 cm:

8 Eiweiße
180 g Zucker
180 g geriebene Haselnüsse
40 g geriebene Schokolade
eine Messerspitze Zimt
Schale einer halben Bio-Zitrone

Butter für die Form
1 Glas Kirschmarmelade
200 g Sahne
20 g Schokolade
  1. Ich heize den Backofen auf 190° C Ober und Unterhitze vor.
  2. Ich schlage die Eiweiße zu Schnee, lasse den Zucker einrieseln, schlage weiter bis sich der Zucker aufgelöst hat und die Masse schön cremig ist.
  3. Ich schütte die Haselnüsse, die Schokolade, das Nelkenpulver und die Zitronenschale dazu und hebe alles sachte unter.
  4. Die Kuchenform fette ich mit kalter Butter ein.
  5. Ich verteile die Masse gleichmäßig in die Form und schiebe sie auf der 1. Ebene des Backofens ein.
  6. Nach 35 Minuten ist der Tortenboden fertig gebacken. Ich nehme ihn heraus und lasse ihn in der Form völlig auskühlen.
  7. Mit einer Palette löse ich den Boden von der Form, das darf man aber nur bei emailierten Kuchenformen tun, bei beschichtetem Material ist das vielleicht nicht notwendig. 
  8. Ich teile den Tortenboden und streiche die Kirschmarmelade (ich hatte selbstgemachte Sauerkirschmarmelade) auf die untere Hälfte, setzt die andere Hälfte wieder darauf.
  9. Ich schlage die Sahne steif und streiche sie gleichmäßig auf den Kuchen. 
  10. Als letztes hoble ich noch Schokolade darüber.
Irgenwie erinnert mich der Geschmack an Schwarwälderkirschtorte. Zusätzlich über den Verbrauch der Eiweiße bin ich über die Verwendung der Sauerkirschmarmelade froh, da ja schon bald die neuen Sauerkirschen reif sind. Nur bei dem "Sudelwetter" das wir momentan haben, ist das noch schwer vorstellbar. 

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