Mittwoch, 30. November 2011

Carbonara light und die Tücken des Alters

So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Noch brauche ich keine Geh-Hilfe, aber die eine oder andere Veränderung macht sich schon bemerkbar. Bei uns, Norbert und mir, hat es dieses Jahr einen Hunderter zu feiern gegeben. Lesebrille ist für mich schon seit längerem normal. Das ständige Suchen nach der Brille auch. Dieses Jahr musste es dann eine Nummer stärker sein und jetzt kann ich ohne Brille fast nicht mehr kochen. So eine Brille in der Küche ist der Wahnsinn. Wenn ich von einem Rezept koche, brauche ich sie, wenn ich in einen Topf gucke, beschlägt sie sich, wenn ich in den Kühlschrank schaue, ist alles trüb. Ein Ständiges auf und ab, das macht mich ganz nervös. Alle Dauer-Brillenträger werden jetzt fragen, warum ich mich so beklage? Ich bin es einfach noch nicht gewöhnt, habt Geduld mit mir. Beneiden tu ich sowieso niemanden, der ohne Brille nicht sein kann.
Ich probiere eine Neuheit von Lékué aus. OVO heißt das Ding und ist speziell für's Eierkochen entwickelt worden. Es ist nicht groß, grad einmal für ein Ei. Die Beschreibung ist in Nano-Einheiten gedruckt. So schwer kann das ja auch nicht sein. Ich lese, aus den genannten Gründen,  die Anleitung nicht durch, ich habe es ja eilig, wie immer.
Spaghetti Carbonara möchte ich machen. Normalerweise mache ich das nur mit den Eigelben, weil das Eiweiß so glibbrig bleibt, da man das Ei nicht mehr erhitzen soll, sonst stockt es. Relativ viel Sahne ist normalerweise in meiner Sauce, heute möchte ich mit wenig Sahne zurecht kommen.
Nudeln kochen, das kann jeder, auch ohne Brille. Ich schneide einen kleinen Lauch und eine kleine Stange Sellerie sehr klein, Speck in feine Streifen und brate alles in Olivenöl an, salze und pfeffere einwenig, kann ich alles noch mit freiem Auge!
Jetzt möchte ich das Ding, das OVO heißt, bestücken, schlage ein Ei auf und lasse es in den Behälter gleiten, rühre ein wenig geriebenen Käse, mit Salz und Pfeffer unter das Eiweiß, ohne den Dotter zu verletzen, verschließe ihn und stelle ihn in kochendes Wasser. Dort lasse ich ihn eine Zeit lang. Ich schwenke die Nudeln im Gemüse, nehme eine Portion auf einen Teller und möchte das Ei über die Nudeln geben. Das Ei kommt nicht heraus, OVO hält es fest, als ob es das Ei selbst essen möchte.
Ich sehe aber auch, dass das Ei noch ziemlich dünnflüssig ist.


Erst jetzt bemühe ich mich die Brille zu holen, lese endlich den Beipackzettel, auf dem geschrieben steht, dass Ovo ein wenig Fett braucht und das Ei zwischen 7 und 10 Minuten gekocht werden muss, damit es so wird wie ich es möchte.
Nudeln wieder zurück in die Pfanne und die ganze Prozedur von vorne, diesmal nach Anleitung.
Jetzt hole ich noch ein paar Kräuter von der Fensterbank, wasche sie, zupfe sie von den Stängeln (jetzt habe ich ja die Brille) und hacke sie fein.
Zum Glück sind die Spaghetti al dente gekocht, sonst könnte man sie vergessen.


Über die Nudeln gebe ich dann doch noch wenig flüssige Sahne, mehr für den Geschmack, dann das Ei und streue die Kräuter darüber.
OVO ist aus Silikon und kann auch in der Mikrowelle benutzen werden. Das Ei erinnert stark an ein pochiertes Ei. So habe ich aber keinen Stress ob es gelingt oder nicht. 

Mittwoch, 16. November 2011

Ananas-Carpaccio

Man kann über Jamie Oliver geteilter Meinung sein. Ruhm tut bekanntlich den Wenigsten gut. Tatsache ist, dass ich ein Kochbuch (es war eines seiner ersten) von ihm besitze, schon sehr lange und auch immer wieder einmal hinein schaue, weil ich das Kochbuch eigentlich sehr mag.
In diesem Kochbuch wird eine der schnellsten, aber sehr leckeren Nachspeisen beschrieben.
In dieser Jahreszeit kaufe ich gerne ab und zu eine Ananas. Um den Reifegrad einer Ananas zu bestimmen, probiert man eines der obersten Blätter heraus zu ziehen. Gelingt dies ohne Probleme hat sie den richtigen Reifezustand. Das Zupfen dieses Blattes wird einem ohne Probleme zu gestanden, da auch der Händler weiß, wenn sich das Blatt löst, hat er die Frucht verkauft.


Das Schneiden und zerkleinern lasse ich meinem Ananasschneider über, das hat der viel schneller als ich. Der Strunk ist perfekt herausgeschnitten, die "Augen" auch alle weg und das Fruchtfleisch praktisch in Scheiben geschnitten. Momentan ist er bei uns im Geschäft im Angebot. Auch als Weihnachts-Geschenk ist er eine gute Idee.


Dann mörsere ich 3-4 Esslöffel Zucker mit Pfefferminzblätter, die noch aus eigener Zucht sind, solange bis ich grünen Zucker habe.


Die Ananas verteile ich scheibchenweise auf die Teller, streue den Zucker darüber, gebe noch einen Esslöffel selbstgemachtes Jogurt dazu und schwupp, sind alle Teller leer, als ob nie etwas da gewesen wäre.

Samstag, 5. November 2011

Träume sind Schäume und "Coniglio alla ligure", ein ligurisches Kaninchen


Neulich habe ich geträumt ich würde eine Lasagne kochen. Gerade wie ich die Nudelblätter in das kochende Wasser gleiten lasse, schrillt der Wecker. Mein erster Gedanke war: ich kann jetzt unmöglich aufstehen, sonst verkochen meine Nudeln. Ich habe sie dann noch brav vom Wasser heraus geholt. Der Wecker, dem ich das erste Mal keine Beachtung schenkte, hatte aber keine Gnade, zum Glück, sonst hätte ich doch noch die komplette Lasagne zubereitet. Und wer hätte die Kinder in die Schule geschickt und das Geschäft aufgesperrt? Ja und mein Göttergatte? Mein Mann steht auf, wenn ich auf stehe, der hört meistens den Wecker gar nicht, da könnt ich ein 3gängiges Menü kochen:)) Aber als ich dann die Augen öffnete, war leider weit und breit keine Lasagne zu sehen. Zum Glück hat man soviele Fotos, von sovielen nicht veröffentlichten Speisen auch von so manch einer Lasagne, sozusagen Jahreszeiten-Lasagne.  Die einzige von mir ins Netz gestellte ist die hier. Rezepte gibt es wie Sand am Meer, deshalb beglücke ich euch heute nicht mit einer von den vielen oben abgebildeten.
Ich habe heute etwas anderes für euch. Wie der Name schon verrät kommt das Rezept aus Ligurien. Mit Oliven, Pinoli, vielen Kräutern und gutem Olivenöl könnte das auch nicht anders sein. Denkt man an den Pesto Genovese, hat man fast ähnliche Zutaten und der kommt aus der selben Ecke. Momentan haben sie nichts zu Lachen, die armen Leute, mit dem Wetter das verrückt spielt.

Coniglio alla ligure

Zutaten für 4 Personen:
  •  1,2 kg Kaninchenfleisch, in Stücke zerhackt
  • wenig frischen Salbei
  • frischen Majoran und Thymian
  • 2 Knoblauchzehen
  • ein Glas Weißwein
  • 30 g schwarze Oliven
  • 20 g in Salz geklegte Kapern
  • 20 g Pinoli (Pinienkerne)
  • bestes Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  1. Ich wasche das Fleisch und trockne es mit Küchenkrepp. Gesalzen wird erst später.
  2. Ich wasche und trockne alle Kräuter, ziehe sie von den harten Stängeln, hacke sie mit dem geschälten Knoblauch fein und mische sie mit wenig Salz und Pfeffer (trito aromatico=aromatisches Kleingehacktes), ergibt fast so was ähnliches wie bei Petra
  3. Ich heize den Backofen auf 200° Heißluft vor.
  4. Ich erhitze meinen Bräter, den Vitalis, wie könnt es anders sein, und brate das Fleisch rundum in reichlich Olivenöl, bis es von allen Seiten schön gebräunt ist.
  5. Jetzt erst salze und pfeffere ich, streue auch den trito aromatico darüber und lösche mit dem Weißwein ab. 
  6. Ich lasse den Wein verdampfen, gebe den Deckel darauf und schiebe den Bräter für 40 Minuten in den Backofen.
  7. Während dieser Zeit, rühre ich öfters um und übergieße das Fleisch mit dem entstandenen Saft.
  8. Inzwischen spüle ich die Kapern und befreie sie gänzlich vom Salz. Ich röste die Pinoli in einer kleinen Pfanne ohne Öl und stelle sie bereit.
  9. Die Oliven entkerne ich und hacke sie grob.
  10. Nach 40 Minuten nehme ich den Deckel ab, mische Kapern, Pinoli und Oliven darunter und lasse alles nochmals, diesmal ohne Deckel, für 10 Minuten schmoren.
So sah das Gericht fertig aus, mit Ofenkartoffeln als Beilage

Viele Südtiroler  verwechseln das Wort "pinolo" häufig mit dem Wort "pignolo". Es wird fast identisch ausgesprochen, hat aber eine andere Bedeutung. "Pinolo" ist ein Pinienkern, viele Kerne heißen "pinoli", "pignolo" ist hingegen ein Pedant, schon eher eine Nervensäge. Eine Nervensäge hat halt einfach nichts in der Küche verloren, finde ich:)

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