07.12.10

Aufgstellte Virpänk - Kein Sprachkurs


Es handelt sich hier um eine alte traditionelle Süßspeise aus dem Ultental.
Wer sich bei uns ein bisschen auskennt, weiß, dass das Ultental in Lana beginnt. Wer einmal im Ultental war, weiß, dass es eines der schönsten Täler Südtirols ist, weil es noch so unverbaut und ursprünglich ist. Hier wurde und wird noch für den Eigenbedarf Mohn angepflanzt. Wenn man Glück hat bekommt man mal einen Kilo. Es steckt viel Arbeit dahinter.

Die Bewohner vom Ultental, die "Ultner" haben einen eigenen, trockenen, Humor. Halb Ultental schreibt sich mit Nachnamen Schwienbacher, so wie ich mit Mädchennamen, den ich behalte, auch wenn ich heirate. Mein Vater war ein Ultner, auch einer von den Gewitzten. Für uns Kinder gab es keine schönere Unterhaltung, wenn unser Vater mit einem oder gar mehreren seiner Brüdern zusammenkam. Ganze Gesellschaften haben sie unterhalten.

Natürlich sagen die Ultner, die Lananer sind "ausergschwenzte" Ultner, da die Falschauer, der Ultner Bach durch Lana, in die Etsch fließt. Und irgendwie hat Schwienbacher (ein überlaufender Fluss) auch etwas damit zu tun.

Den Namen für die "Aufgstellte Virpänk", hat sicher auch wieder so eine fröhliche Natur erfunden, nur wie kommt jemand auf so einen Namen??

Das Rezept war kein Problem, wo ich mit dem halben Tal verwandt bin. Aber was die Erklärung zum Namen angeht musste ich schon tiefer schürfen.

Ich bin dann zum Ultner-Peck, zum Richard (auch Schwienbacher, wie könnte es anders sein), gekommen, der mir dann eine nette Erklärung gegeben hat.

Ob ich wisse was eine "Virponk" sei.

Ich natürlich keine Ahnung!!

Er: "Penen Tisch in der Stubm, gips a Ponk derhinter und uane devour, ebn a"virponk" und wenn men de, pen Boudn spialn, afn Tisch aufi stellt, mit die Haxn oubmibrisch, nor isch des a aufgstellte Virbonk.

Für solche die unserem Dialekt nicht mächtig sind übersetzte ich: Bei einem Tisch in einer Stube, gibt es eine Bank hinter dem Tisch an der Wand und eine vor dem Tisch, eine Vorbank, die keine Rückenlehne hat. Wenn man beim Spülen des Bodens, die Vorbank mit den Füßen nach oben auf den Tisch stellt, dann ist das eine aufgestellte Vorbank.

Bildlich muss man sich diese Bank vorstellen. Was sieht man ? Die Füße, welche aus dicken Ästen gemacht wurden. Von den Ästen sieht man die Jahresringe und die erinnern an die aufgestellten, abgeschnittenen Strudelstücke, wenn ich sie in die Form stelle. So einfach ist das!!!


Das Rezept ist ein Mohnstrudel-Rezept, das ich schon lange von meiner Schwiegermutter bekommen habe, anders verarbeitet.
Mit Richard dem Ultner-Peck diskutiere ich dann noch darüber, wie man den Mohn verarbeiten sollte. Mohn ist ein sehr fetter Samen. In der Bäckerei haben sie eine Art großen Mörser, dort zerdrücken sie den Mohn. Ich habe eine Mohnmühle, dort wird er auch gequetscht, dann ist der Mohn viel geschmeidiger und besser. Fälschlicherweise wird er öfters mit einer Kaffeemühle gehackt. Dann kann er sein Aroma nicht entwickeln und beim Essen kratzt er.
Wer die "Aufgstellten Virpänk" einmal selbst backen möchte, hier das Rezept:
Für den Teig:
  • 500 g Mehl
  • 2 TL Trockenhefe
  • ca. 1/8 l lauwarme Milch
  • 100 g Zucker
  • 100 g zerlassene Butter
  • 5 EL lauwarme Sahne
  • 1 Ei, zimmerwarm
  • 2 Eigelbe, zimmerwarm
  • abgeriebene Zitronenschale

Für die Fülle:

  • 400 g Mohn, gemahlen
  • 300 ml Milch
  • 130 g Zucker
  • 50 g Butter
  • 1/2 ML Zimt
  • 3 EL Honig
  • abgeriebene Zitronenschale

  • 100 ml Sahne
  1. Die Trockenhefe mit einer Prise Zucker in ganz wenig lauwarmem Wasser in einem
    Messbecher auflösen und etwas gehen lassen. Danach mit lauwarmer Milch auffüllen, bis 1/8 l erreicht ist.
  2. In einer warmen Schüssel das Mehl hineinsieben, Butter, Zucker, Sahne, das Ei, die
    Eigelbe, etwas Zitronenschale und die Hefemilch dazugeben und mit dem Handrührgerät
    mittels Knethaken, einen geschmeidigen Teig kneten, bis er sich vom Rand löst. 20
    Minuten gehen lassen.
  3. Backofen auf 160° Ober und Unterhitze vorheizen.
  4. Für die Füllung alle Zutaten, außer dem Honig, erhitzen und einmal aufkochen. Vom Herd
    nehmen, Honig unterrühren, auskühlen lassen.
  5. Den Teig auf einem bemehlten Küchentuch ziemlich dünn ausrollen, dabei öfters wenden und mehlen, mit der Füllung bestreichen.

  6. Jetzt sieht der Teig wie geteert aus. Mit dem Küchentuch rolle ich den Teig zu einem Strudel. Es sollte eine lange dünne Rolle entstehen, die dann in ca. 6 cm lange Stücke geschnitten wird und die, aufgestellt, in die, mit Butter gefetteten Form geschichtet werden.

  7. Die Sahne verteile ich gleichmäßig über die Virpänk und schiebe die Form auf die 3. Ebene des Backofens ein.
  8. Nach 50 Minuten schauen die Virpänk dann so aus.

Die Alten haben schon gewusst was gut ist. Aus den Zutaten, die ihnen zu Verfügung standen, haben sie solche leckere Mehlspeisen gebacken und das neben vielen Kindern und viel, viel anderer Arbeit.

Kommentare:

  1. Das ist ja ein tolles Rezept und ich finde es großartig, dass du es überlieferst, auch mit der mundartlichen Erklärung. Danke!

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  2. Toll, deine Ultner Geschichten!!! Ich würde gerne noch viel mehr lesen. Mit dem Dialekt hab ich mich bemüht, aber so ganz hat sich mir der Sinn nicht erschlossen. Bis zur Vorbank hatte ich es verstanden, dann hab ich aber aufgegeben. Gut das du es mir noch mal übersetzt hast.

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  3. also eine Art Mohnschnecken. Darauf wäre ich nach Lektüre des Dialekt-textes nicht gekommen

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  4. Mohn ist schon etwas sehr Feines. Mag ich gern. Habe heute morgen eine Mohnroulade gebacken und mit Sahne-Grantenmarmelade gefüllt. Eine sehr harmonische Kombination :-)

    Die Augstelltn Firbänk schauen auch sehr lecker aus, vielleicht backe ich sie demnächst nach. Die Ultner wissen schon, was gut ist. Ich mag das Tal auch sehr. Schönen Abend, Monika

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  5. @Spaziergängerin, anscheinend war es nirgends schriftlich festgehalten. Jetzt schon!

    @Sandra, du wirst lachen, unsere Kinder smsen auf Dialekt. Ich tu mich furchtbar schwer es zu lesen und in Dialekt zu schreiben. Vom Ultental gäbe es noch viele schöne Geschichten. Die eine und andere werde ich noch erzählen.

    @Robert, man braucht schon eine Erklärung oder viel Fantasie, dass man darauf kommen würde.

    @Monika, das Rezept dieser Mohnroulade war neulich den Bio-Eiern beigelegt. Ich habe es aufbewahrt, da ich selbstgemachte Grantenmarmelade habe. Wie ich sehe bist du auch eine sich selbst versorgende Genießerin.

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  6. hmm..regt meine Appetit auf´s äußerste an...mal sehen was ich mir heute abend noch so gönne...herzliche Grüße Heike..

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  7. Hallo Magdalena, ja genau das Rezept, das den Roter Hahn Freilandeier beigelegt war, hab ich nachgebacken. Mmmh,... gutes Gelingen und einen schönen Tag wünsche ich dir

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  8. hallo Magdi
    deine augstellten Virpank ähneln etwas den Mohnschnecken -oder? aber mit dem Rahmguß sicher noch besser - werd ich mir merken. LG Siglinde

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  9. @Heike, ein bisschen Arbeit ist es schon. Aber man hat dafür ein paar Tage von dem Genuss.

    @Monika, die Roulade muss ich auch einmal testen. Sie auch sehr gut aus. Schönes WE

    @Siglinde, sie sind den Mohnschnecken sehr ähnlich. Die Sahne macht es noch ein bisschen saftiger. Auch die ein schönes Wochenende, mit einem endlich sonnigen Sonntag, wie man hört.

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  10. Hallo Magdi,
    Ich war leider noch nicht dort. Vorletztes Jahr war eine Hütte hoch im Ultental für die letzte Übernachtung einer Rundreise angedacht und dann hatten wir doch umgeplant und sind bereits in Nals den Berg Richtung Sirmian rauf.

    Die Virpänk darf ich gar nicht backen, ich würde mich wie ein Holzwurm durch sämtliche Stuhlbeine essen! Und hinterher platzen ... :-)

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  11. Mmmmm, die werde ich auf jeden Fall nachkochen!

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